BARRIERENBEZWINGER

Experten in eigener Sache!

Wir alle kennen das: Man will seinen neuen Personalausweis im Rathaus abholen, damit es am nächsten Tag in den Urlaub gehen kann, doch leider muss man noch etwas warten.  Niemand mag das. Es wird aber ungleich komplizierter, wenn der Stuhl im Wartebereich zu hoch ist, weil man kleinwüchsig ist oder wenn man nicht richtig mit den Mitarbeitern kommunizieren kann, weil man taub oder behinderungsbedingt schwer zu verstehen ist.

Hier kommen die Barrieren-Bezwinger ins Spiel: Sie sind Personen mit den unterschiedlichsten Behinderungen, die solche Situationen schon selbst erlebt haben und daher Experten in eigener Sache sind.

Sie beraten Öffentliche Einrichtungen, Museen, aber auch Firmen zum Thema Inklusion - jedoch nicht nur zu baulichen / Infrastruktur-Themen, sondern auch zu den erstellten Materialien sowie zum Umgang mit Menschen mit Behinderungen.

Fragen wie...

  • Was hilft einer kleinwüchsigen Person, um bequemer auf einem normalen Stuhl zu sitzen?
  • Sind die Informationsflyer für Funktionale Analphabeten verständlich?
  • Wie geht man mit jemanden um, der im Rollstuhl sitzt?

All das sind Fragen, die die Barrieren-Bezwinger beantworten, damit alltägliche Probleme möglichst schnell und unbürokratisch überwunden werden können.

Nur durch ein vorurteilsfreies und selbstverständliches Miteinander kann Inklusion wirklich gelingen, denn Barrieren beginnen und enden im Kopf!

5 FRAGEN AN ANDREAS DOELTGEN:

Wie heißt du, wie alt bist du und welche Art der Behinderung hast du? Was machst du beruflich?
Mein Name ist Andreas Döltgen, bin 31 Jahre alt. Ich bin nicht behindert, ich werde behindert, weil ich taub bin. Ich bin freiberuflich tätig in der Projektarbeit.
 
Welche Barrieren schränken dich im Alltag am meisten ein?
In meinem Alltag gibt es für mich meistens Barrieren im Bereich der Kommunikation, da zum Beispiel viele Hörende keine Gebärdensprachkompetenz haben. 
 
In welchem Bereich siehst du besonders einen Bedarf für Aufklärung über Barrierefreiheit? Hast du dafür ein konkretes Beispiel aus deinem Alltag?
Mir ist besonders die Aufklärung bezüglich dem Umgang mit tauben Menschen und Wissen über taube Menschen wichtig, zum Beispiel in Form von Sensibilisierung.
Ein Beispiel aus meinem Alltag ist, dass viele Hörende leider (noch) nicht wissen, wie man Dolmetscher_innen für Deutsche Gebärdensprache und Lautsprache organisieren und finanzieren kann. Durch die Ahnungslosigkeit werden dann meistens die "falschen" Personen, die nicht professionell ausgebildet sind (z.B. Kommunikationsassistenzen, Sozialarbeiter_innen, alte Lehrkräfte aus Gehörlosenschulen) bestellt. 
Ein anderes Beispiel wäre das Kommunikationsverhalten von Hörenden. Es gibt da zwei Typen. Die einen verhalten sich unsicher und gehemmt mir gegenüber und nehmen mich nicht als ihren Gesprächspartner war und schauen mich auch nicht an, sondern die Dolmetscherin. Die anderen sind zwar offen und neugierig, aber stellen für den Zweck des Gespräches, zum Beispiel auf dem Amt, unpassende Fragen über Gebärdensprache z.B. ob Gebärdensprache international ist. 
 
Wie kamst du auf die Idee Barrieren-Bezwinger zu werden? 
Ich habe von den Barrierenbezwingern durch eine Bekannte erfahren und möchte mit meiner Arbeit hier gerne mehr Aufmerksamkeit für Alltagsprobleme von gehörlosen Menschen schaffen.
 
Was erhoffst du dir von deiner Arbeit als Barrieren-Bezwinger?
Ich würde mir wünschen, dass wir gemeinsam Sensibilisierungseminare mit verschiedenen Gruppen und Aufklärungsbroschüren, in Papierform und auch online, über taube Menschen entwickeln können.